We are Family!
Bereits mit einer „fixen Idee“, wie ihr neues Einfamilienhaus in Kitzbühel aussehen sollte, kam das Ehepaar Anne und Markus Bodner, zu den Architekten ihres Vertrauens. Obwohl der Baubeginn noch in weiter Ferne lag, war das Gebäude in zwei Köpfen schon fertig. Die Skizzen der Bauherrschaft wurden übergeben, die Architekten wurden mit der Einreichplanung beauftragt.
„Umwege erhöhen die Ortskenntnis“ muß wohl das Motto von den Architekten „Stöckl Egger und Partner“ gewesen sein, denn der Entwurf der Bauherrschaft wurde zwar dankend entgegengenommen und studiert, aber auch in Frage gestellt. So ein „Bauherrenentwurf“ ist sehr wertvoll. Viel wertvoller als ein schriftlich verfasstes Raumprogramm, zeigt es ja schon den Wunsch nach gewissen Raumfolgen, Raumproportionen und Vorlieben für gewisse Raumkombinationen. Der Bauherrenentwurf wurde also mit großem Respekt behandelt, war aber „nur“ der wertvolle Ausgangspunkt für eine spannende Entwurfsserie.
Die Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft und Architekten gestaltete sich zeitintensiv, aber unkompliziert. War vor dem gemeinsamen Entwurfsprozess klar, dass das Gebäude rechtwinkelig zur Hangkante zu liegen kommen soll, erkannte man bald, dass eine Orientierung parallel zur Hangkante die Möglichkeit bietet, den Garten gemeinsam mit den benachbarten Eltern bzw. Schwiegereltern zu nutzen. Zwischen diesen beiden Gärten wurde der Zaun entfernt. So können die beiden Bodner-Kinder, Paula und Nepomuk, den Pool der Großeltern mitbenutzen.
Außerdem schmiegt sich so das Gebäude an den Hang, ein ganzes Geschoß ist von der Einfahrtsseite gar nicht sichtbar. Auch ein Wunsch der Bauherrschaft, der gemeinschaftlich umgesetzt wurde: Das Gebäude soll sich „unaufdringlich“ in die Landschaft einfügen und das natürliche Gelände aufnehmen. Passend zu diesem Entwurfsgrundsatz wurden alle Flachdächer begrünt. Auf diesem Weg werden alle bebauten Flächen als Garten- und Terrassen zurück gewonnen, das Gebäude wird zu einem von Außen begehbaren Objekt, letztendlich: zum Garten.
Wie von der Bauherrschaft vermutet – oder befürchtet – kam an der Ostseite des Grundstückes bei den Erdarbeiten Fels zum Vorschein. Der Fels war aber leicht zu bearbeiten und wurde kurzer Hand in die Gestaltung des Gebäudes integriert. Trotz seiner leichten Bearbeitbarkeit erwies sich der Fels als durchaus standfest und bildet für das Untergeschoß einen großen begehbaren Lichtschacht. Eine perfekte Kulisse für ein intimes „Felsenbad“ das man großzügiger Weise gleich den Gästen überlässt, die im Mehrzweckraum untergebracht werden.
Bereits im Entwurfsstadium wurde auf den Dialog von Innen- und Außenräume größten Wert gelegt. Wenn man auf der einen Seite das Gebäude betritt, kann man auf der anderen Seite Richtung Paß Thurn und Nationalpark Hohe Tauern wieder hinausschauen. Die Fassade entlang der Hangkante bietet einen wunderschönen Ausblick auf die Fairways des Golfclubs Eichenheim, der Wohn- und Essbereich weitet sich auch noch in Richtung des gemeinsamen Gartens.
Im ersten Moment mag es fast schon verschwenderisch erscheinen, wenn man die Lage des Hauswirtschaftsraumes im Grundriss und im Bezug zum Garten analysiert. Zugegeben: Der Hauswirtschaftsraum liegt an einer bevorzugten Stelle das Gebäudes! Mit gutem Grund: Ein Haushalt mit 4 Personen macht einfach viel Arbeit und mit einer schönen Aussicht arbeitet es sich einfach besser! Außerdem kann man während der Hausarbeit die Kinder im Garten beaufsichtigen.
Kurzum: Ein maßgeschneidertes Einfamilienhaus, das Bauherrschaft gleichwohl wie die Architekten stolz macht. Nur bei der House-Warming-Party gab es kleine Unstimmigkeiten frei nach „Wer hat’s erfunden?“
Welche Entwurfsideen der Bauherrschaft und welche den Architekten zugeordnet werden können, ist heute nicht mehr feststellbar.
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