WIE FINDET MAN
seinen Planer ?
Architektenwahl: Auf der Suche nach Mr. Right
12.02.2010 | 19:27 | von Anna Neubauer (Die Presse)

Planer und Bauherr müssen zusammenpassen. Nur: Wie findet man das raus? Wie
lernt man sich am besten kennen? Ein kleiner Knigge für die ersten Dates.
Im besten Fall ist es toll: Man verbringt viel Zeit miteinander, schmiedet Pläne, offenbart seine
Träume – und bekommt sie erfüllt. Im schlechtesten Fall ist es fatal: Man wird enttäuscht,
kämpft, streitet – und landet am Ende vor Gericht. „Die Wahl des Architekten ist die
schwierigste und wichtigste Entscheidung im gesamten Bauprozess“, sagt Jakob Dunkl,
Querkraft-Architekt und Sprecher der Plattform für Architekturpolitik und Baukultur. Deshalb
will die Partnerwahl gut überlegt sein. Doch wie findet man Mr. oder Mrs. Right?
Erstens indem man sich umhört, Bekannte fragt, die einen ähnlichen Geschmack haben;
zweitens indem man das Internet durchforstet. Fast jeder Architekt hat eine Homepage, man
bekommt beim Durchklicken meist ein ganz gutes Gefühl für den Baustil. Und man kann sich
auch das eine oder andere Gebäude vor Ort anschauen, „da spürt man die Architektur viel
besser“, meint Susanne Boyer, Architektin bei Urban Filter. Offenheit für „junge, hungrige“
Planer zahle sich laut Dunkl aus. Hat etwa ein kleines Büro noch kein Einfamilienhaus gebaut,
sollte man es nicht gleich abschreiben. Ganz im Gegenteil: „Gerade im Erstlingswerk liegt oft
das meiste Engagement.“

Ein Tag mit dem Architekten
Hat man einige Favoriten, geht es ans Kennenlernen. Entweder man plaudert im
Architektenbüro – was sich anbietet, weil man gleich Fotos und Modelle der Häuser ansehen
kann. Oder man macht es ein wenig unkonventioneller und geht gemeinsam etwas trinken.
Architekt Dietger Wissounig hat gar einen ganzen Tag mit einer Familie verbracht, um zu
sehen, wie sie lebt und wohnt (bzw. leben/wohnen möchte).
Fällt die Entscheidung zwischen mehreren potenziellen Kandidaten schwer, kann man auch
einen privaten Wettbewerb starten und sich von mehreren Architekten etwas planen lassen.
Der Preis ist Verhandlungssache, zumindest mit einem Prozent der geplanten Bausumme
sollte man – pro beauftragtem Büro – aber rechnen. Der Vorteil des Wettbewerbs ist der
Vergleich zwischen den Kandidaten. Der Nachteil: Man lernt sich nicht so richtig kennen. „Da
nimmt man viel vom Prozess weg“, meint Ernst J. Fuchs, Architekt bei The Next Enterprise-
Architects. Aber egal, für welchen Check man sich entscheidet, das Beruhigende ist: „Man
merkt ohnedies gleich, ob man harmoniert“, weiß Boyer. Stimmt die Chemie, kommt es zum
Erstgespräch, das ist in der Regel gratis. Darauf folgen weitere Treffen, bis der Architekt weiß,
in welche Richtung es gehen soll.

Brief an den Planer
Doch bevor man sich gegenübersitzt und Konkretes ausschnapst, „sollte man sich überlegen,
was man eigentlich will“, sagt Fuchs. Er selbst animiert seine Bauherren und -frauen stets
zum Briefeschreiben. „Denn da ist man gezwungen, in sich zu gehen, zu selektieren und zu
sortieren“, sagt er. Festkrallen und versteifen sollte man sich jedoch nicht. Denn Bauen ist ein
Zusammenspiel zwischen Architekt und Bauherr, ein Prozess und eine Teamarbeit, so Fuchs.
Insofern gebe es weder den idealen Architekten noch den idealen Bauherrn. Was aber
unbedingt vorhanden sein sollte, ist Akzeptanz und Vertrauen. Dann geht man, Schritt für
Schritt, den gemeinsamen Weg: Zuerst kommt der Vorentwurf, dann der eigentliche Entwurf,
später die Einreichung. Ein Tipp von Dunkl: ein Modell verlangen. Nicht zuletzt weil man sich
als Laie beim Lesen von Plänen oft ein wenig schwertut.
Was bei Partnerschaften immer sinnvoll ist: das Finanzielle gleich anfangs zu klären. Unter
anderem, weil Änderungen umso teurer werden, je weiter man beim Hausplanen und -bauen
ist. Spätestens beim Umplanen ist es dann sehr hilfreich, wenn Auftraggeber und Architekt auf
der gleichen Wellenlänge sind, glaubt Boyer; und wenn sich der eine in den anderen
hineinversetzt. Ein guter Architekt kann das, meint Dunkl. „Viele der tollsten Kirchen der Welt
wurden ja auch von Atheisten gebaut.“

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